Ziegen-Wiese

Die Geschichte des Vereins tipiti (vormals VHPG)

1976

wird der Verein Heilpädagogischer Grossfamilien und Kleingruppenschulen (kurz VHPG) in Trogen im Kanton Appenzell-Ausserrhoden gegründet. Initiator ist der Ökonom und Sozialarbeiter Rolf Widmer, der als pädagogischer und administrativer Leiter der heutigen Klinik Sonnenhof in Ganterschwil nach Alternativen zur traditionellen Platzierung von Kindern in Heimen sucht.

Die Vision des VHPG ist, Lebens- und Förderungsangebote zu entwickeln, die konsequent den Bedürfnissen von Kindern/Jugendlichen nach verlässlichen Beziehungen in möglichst familien-ähnlichen Strukturen gerecht werden. So entstehen die Heilpädagogischen Grossfamilien. Dieses Betreuungskonzept wird während zwanzig Jahren in fünf Teams mit je drei bis vier Heilpädagogischen Grossfamilien und dazugehöriger Schule durchgeführt. Es wird dann vom Modell der Begleiteten Pflegefamilie abgelöst.

Gleichzeitig bauen wir VHPG-Schulen auf, damit die Kinder trotz schulischer Defizite in einer Familiengemeinschaft aufwachsen können. Die meisten Kinder der Heilpädagogischen Grossfamilien schaffen den Anschluss an eine öffentliche Schule. Um Kinder mit besonderen Bedürfnissen in Kleingruppen individuell fördern und ihnen damit eine Fremdplatzierung ersparen zu können, entwickeln wir Tages-Sonderschulen.

1990

In den Neunzigerjahren entwickelt Heinz Münger, Bereichsleiter der Familienangebote, die ersten Ausbildungskurse für Begleitete Pflegefamilien.

Ab 1997

engagiert sich der VHPG im Auftrag der DEZA bei der Entwicklung eines psychosozialen Begleitangebots für Vollwaisenkinder in Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska und entwickelt das Modell der Sozialpädagogischen Lebensgemeinschaften, um vielen Vollwaisenkindern, die nicht im erweiterten Familienkreis aufgenommen werden können, auch einen neuen familiären Rahmen zu ermöglichen.

Der VHPG sucht bei der Entwicklung neuer Angebote für Kinder mit besonderen Lebensläufen zuerst die Mitarbeitenden und gestaltet mit ihnen zusammen die auf die Kinder bezogenen Betreuungs- und Förderungsangebote. Schritt für Schritt entwickelt sich der VHPG zu einer Organisation mit 65 Mitarbeitenden.

2006

Zum 30-Jahr-Jubiläum schenkt sich der Verein mit «tipiti – wo Kinder und Jugendliche leben und lernen» einen neuen Namen und Auftritt, der offen bleibt für bewährte und neue Betreuungsmodelle mit verlässlichen Beziehungsangeboten.

2008

Die Eröffnung des Kompetenzzentrums für Platzierungsfragen in Wil im Jahr 2008 ist ein wichtiger Schritt in der Professionalisierung des Engagements von tipiti für das Modell der Begleiten Pflegefamilien. Heute betreuen wir mehr als sechzig Pflegekinder in unseren beiden Kompetenzzentren für Pflegeeltern in Wil und in der 2016 eröffneten Zweigstelle in Buchs.

Der Ausbildungskurs für die qualifizierte Erziehung von Pflegekindern wird von der Pflegekinder Aktion Schweiz übernommen. Auf diese Weise können sich mehrere hundert Pflegeeltern, die sich in verschiedenen Familienplatzierungs-Organisationen engagieren, für ihre Aufgabe qualifizieren.

2010

Das Projekt «Betreutes Wohnen für Jugendliche» startet. Das Angebot unterscheidet sich von anderen begleiteten Wohnformen für Jugendliche durch seine kleine und dezentrale Struktur, aber trotzdem hoher Betreuungsdichte.

48 Kinder betreuen wir in 33 Pflegefamilien, 8 Notfallplatzierungen und 5 Wochenendplötzen. Wir führen drei tipiti Kleingruppenschulen der Unter- und Mittelstufe und zwei Oberstufenschulen mit gesamthaft 70 Plätzen.

Das Jahresbudget beträgt 5,3 Millionen Franken, zu 95 Prozent von der Öffentlichen Hand finanziert.

2011

34 Jahre lang förderte Urs Rennhard die Geschicke zuerst des VHPG mit Verena beim Aufbau und Teil des ersten Teams von HPGs zusammen mit Ursula und Beat Mosimann und Helen und Roland Niedermann und den Lehrer/innen unserer Schulen. Später übernahm er die pädagogische Bereichsleitung der Tagessonderschulen. Dieses Jahr wird er als erster Mitarbeiter und Mitdenker der ersten Stunde des VHPG respektive Vereins tipiti pensioniert.

Die Schule Grüt in Bühler AR wird nach 25 Jahre langem Engagement in der individuellen Förderung der Kinder ins Jahrzeitenhaus in St. Gallen umgesiedelt, da mehrheitlich St. Galler Kinder diese Schule besuchen.

2013

Das Angebot «Wohnen und Begleitung für Jugendliche» stösst auf wachsendes Interesse und scheint aufgrund der Nachfrage die richtige Antwort auf jugendspezifische Krisensituationen zu sein. Tipiti eröffnet 2013 in Romanshorn die sechste Jugendwohngruppe (JWG).

2014

tipiti war die erste Organisation, die Pflegeeltern aktiv unterstützte und begleitete. 2014 werden tipiti’s Familienangebot für Kinder zertifiziert und erhält das Qualitätslabel für Familienlatzierungs-Organisationen von Integras, dem Fachverband Sozial- und Sonderpädagogik.

2015

Seit 2003 äufnete tipiti einen Ausbildungsfonds in Bosnien, der Berufspraktika ermöglichte. Nach dem Krieg in Bosnien halfen wir, 4000 Waisenkinder in der Verwandtschaft und in sozialpädagogischen Familien vor Ort zu platzieren. Nach der Ausbildung fanden viele dieser Jugendlichen keinen Arbeitsplatz. Tipiti unterstützte sie bei der Lösungssuche und dem Aufbau einer Selbsthilfegruppe. Der Fonds wird 2015 flügge, die Selbsthilfe-Organisation trägt sich heute selber.

2016

Lehrgang Pflegeeltern: Der Ausbildungskurs für die qualifizierte Erziehung von Pflegekindern wird neu durch die Schule für Sozialbegleitung durchgeführt und inhaltlich vom Verein Espoir und unserem Verein tipiti begleitet. Tipiti bietet jährlich in eigener Regie für seine Mitarbeitenden und andere Fachstellen Kurse in Biographiearbeit, Lösungs-Orientiertem Ansatz LOA und Neue Autorität an.

JWGs: Wir legen einen Teil der Jugend-WGs still, da die Nachfrage stark nachgelassen hat.

Übergangspflege: Neu verfügen wir über ein Netz von Übergangspflegefamilien in der Deutschschweiz für Babys, die nach ihrer Geburt nicht von ihren Eltern betreut werdern können. Sie werden in den Übergangsfamilien betreut, bis die langfristigen Perspektiven geklärt sind, d. h. Integration in die eigene Familie, Platzierung in eine Pflegefamilie oder Freigaben zur Adoption. Das Gesetz sieht eine Frist bis zur definitiven Adoptionsfreigabe vor. In der Übergangsfamilie soll das Baby möglichst durchgehend eine emotional verlässliche Betreuung erfahren. Deshalb wird es in eine Übergangs-Pflegefamilie platziert, die von unseren Fachmitarbeiterinnen rekrutiert, vorbereitet und begleitet wird.

Wechsel im Präsidium: Matthias Unseld, der acht Jahre lang Vorstandspräsident des Vereins tipiti war, tritt im Sommer 2016 zurück. Zum neuen Präsidenten wählt die Generalversammlung Lukas Weibel, der den Sozialdienst am Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg leitet.

Time-In: Eine Auszeit, ein sogenanntes «Time- out» einer oder eines Jugendlichen in Krisenzeiten, bedeutet bei tipiti ein «Time-in». Durch Tagesbetreuung und Lernjobs bietet das Kompetenzzentrum St. Gallen in Zusammenarbeit mit der Bezugsperson individuelle Unterstützung bei der Neuorientierung der Jugendlichen und verhindert so ein «Abschieben» des Jugendlichen.

MNAs: tipiti übernimmt im Auftrag des Kantons AR die Betreuung und Förderung aller ohne Begleitung geflüchteten Kinder und Jugendlichen (MNA, Mineurs Non Accompagnés). Dazu mieten wir im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen zwei leerstehende Häuser. Hier bereitet ein qualifiziertes Team die jungen Menschen auf das Zusammenleben in der Schweiz vor und bildet sie ihren Fähigkeiten entsprechend aus. Das Mentorenprogramm «plus 1 am Tisch» führt sie mit Personen zusammen, die gerne Zeit mit ihnen verbringen.

Nachbetreuung: Das Vertrauen die Verantwortlichen der Kantone AR und SG tipiti bildet den Grundstein für neue Ideen in der Betreuung und Schulung von Kindern und Jugendlichen. Bei unseren Oberstufenschulen tipiti Wil und der tipiti Gesamtschule Trogen wird diese Zusammenarbeit erlebbar. Das Nachbetreuungsangebot wird von unseren ehemaligen Schüler·inne·n rege genutzt. Es begleitet sie weit über die Schulzeit hinaus im Übergang in die Berufswelt.

Jubiläum: Das Vierzig-Jahr-Jubiläum feiert tipiti mit einem Familienfest in Trogen und einer neuen Website, die zu tipitis hauptsächlichem Kommunikationskanal wird.

Tipiti bietet inzwischen 196 Plätze für Kinder und Jugendliche in den verschiedenen Lebens- und Förderräumen. 146 Mitarbeitende arbeiten dafür als Lehrer/-innen, Pflegeeltern, Sozialpädagog/-innen oder in der Administration.

2017

LWZ: tipiti schafft mit einem Lern- und Werkzentrum in St. Gallen ein neues Angebot für junge Geflüchtete. Hier gewöhnen sie sich nach ihrer teils langen Fluchtgeschichte an den Schul- und Ausbildungsrhythmus und bereiten sich auf ihre Ausbildung vor. Im Werkzentrum trainieren pensionierte Berufsleute bis zu 60 Jugendlichen zwischen 16 und 22 Jahren die Grundfertigkeiten, um sie auf Schnupperlehren, Berufspraktika und später eine reguläre Anlehre oder eine Lehre vorzubereiten. Die Jugendlichen besuchen jeden Morgen die Schule und am Nachmittag die Arbeitstrainings in Gastronomie, Malerei, Schreinerei, Automechanik und Administration.

Der Kanton AR lagert die Integrationsklassen für spät zugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene, vorwiegend Flüchtlinge und Asylsuchende, an tipiti aus. Mitte August beginnt für 51 junge Geflüchtete der Schulunterricht in vier Integrationsklassen. Schulräume richten wir unter demselben Dach wie das Lern- und Werkzentrum ein.

Jugendliche: tipiti richtet sein Angebot für Jugendliche neu aus und hilft ihnen mit massgeschneiderten Lösungen, sich in Gesellschaft und Berufswelt (wieder) zu integrieren: Wohnplätze für Jugendliche ab zwölf Jahren, unterstützt in ihren erschwerten Lebenssituationen durch das sozialpädagogische Fachteam

Ehrung: Rolf Widmer erhält den Hans Erni-Preis 2017 verliehen. Die Sonderausstellung «Rolf Widmer – zwischen Appenzell und Ouagadougou» im Hans Erni Museum / Verkehrshaus Luzern zeigt Geschichten junger Menschen aus vielen Ländern in kurzen Videoclips und erzählt von Rolf Widmers Engagement zwischen Appenzell und Osteuropa, Zürich und Westafrika.

Biografiearbeit online: Die Arbeit mit jungen Menschen lehrt uns, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte ist. Die positiven Erfahrungen mit Biografiearbeit lassen uns mit «Flux» ein flexibles und modernes Instrument dafür entwickeln. Es kombiniert eine physische Schatzkiste mit einer persönlichen Website, der «Fluxbox».

Schulen: In unseren vier Schulen gehen die Lernenden individuelle Lernwege. Jede·r Schüler·in erhält auf ihn/sie zugeschnittene Herausforderungen und erlebt so Erfolgserlebnisse. Unsere Lehrpersonen vermitteln klassische Lernstoffe, gehen aber auch unkonventionelle Wege: In Wil bauen die Schüler·innen selber Roboter, im Jahrzeitenhaus St.Gallen drehen sie einen Film und spielen Theater, was ihre Selbst- und Sozialkompetenz fördert, die Gesamtschule Trogen ist begeistert vom neuen Lernraum für die Primarstufe und in der Schule Heiden finden iPads ihren festen Platz im Schulunterricht.

B&U: Regelschulen im Kanton St.Gallen, die in ihren Klassen Jugendliche mit starken Lern- und Verhaltensauffälligkeiten haben, können neu auf die Beratung und Unterstützung (B&U) durch tipiti zurückgreifen. Der Kanton St.Gallen überträgt tipiti das Mandat per Schuljahr 2017/18. Die bedarfsorientierte Beratung durch tipiti soll den Schüler·inn·en ermöglichen, die Regelschule weiterhin zu besuchen und die Haltefähigkeit der Volksschule zu stärken.

Insgesamt betreut tipiti jetzt 226 Kinder und Jugendliche. Die Mitarbeitendenzahl erhöht sich auf 156, der Gesamtaufwand auf 10 Millionen Franken, zu 90 Prozent durch die Öffentliche Hand finanziert.

2018

Bildung: Kinder, die nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können oder besonderen Unterricht benötigen, haben ein Anrecht auf individuelle und kompetente Fremderziehung oder Beschulung. tipiti bietet deshalb Weiterbildungen für Pflege- und Adoptiveltern und Fachleute der Pädagogik, Sozialpädagogik und Sozialarbeit, die Kinder und Jugendliche betreuen oder begleiten. 250 Menschen aus unterschiedlichen Berufsfeldern besuchten unsere Kurse im 2018. Zudem fördert tipiti nebst anderen Aus- und Weiterbildungen den Besuch des Lehrgangs für Pflegeeltern.

Die Kinderrechte werden dreissig: Trotz der Fortschritte seit der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention 1989 werden weltweit immer noch viele Kinder wegen Konflikten ihrer Kindheit beraubt. Die Schweiz ratifizierte die Konvention 1997. Seither wird das Kind vermehrt als eigene Persönlichkeit respektiert. Es kommt jedoch immer noch vor, dass Behörden z.B. die Fachbegleitung eines Pflegekindes mitten im Betreuungsprozess aufgekündigen oder von jungen Erwachsenen die Kosten zurückfordern, die sie seit ihrer Volljährigkeit «verursachten», wenn sie über das achtzehnte Lebensjahr hinaus durch uns betreut wurden.

Bereiche Jugend und MNA gehen zusammen: Seit 2017 reisen nicht mehr viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (MNA) in die Schweiz ein, sodass wir einen Teil des Drittphasen-Integrationsmodells für MNA schliessen. Deshalb legen wir unsere Fachteams für Schweizer Jugendliche und für MNA zusammen. Gemeinsam begleitet das neue Team 40 bis 45 Jugendliche in die soziale und berufliche Selbstständigkeit.

Total 168 Mitarbeitende begleiten und unterstützen gesamthaft 206 Kinder und Jugendliche. Der Gesamtaufwand beträgt 2018 9,7 Millionen Franken, zu 90 Prozent finanziert durch die Öffentliche Hand.

2019

tipiti Schule im Bundesasylzentrum BAZ: Der Verein tipiti führt im Auftrag des Kantons St. Gallen im BAZ in Altstätten eine eigene Volksschule für die dort wohnhaften Schüler•innen. Anfang März sind wir mit einer Klasse und 16 Kindern und Jugendlichen gestartet, Ende Jahr waren es drei Klassen und 49 Lernende. Die Schüler•innen werden auf den Übertritt in die Schule eines kantonalen Asylzentrums und später einer Gemeinde vorbereitet.

Kongress «Tage der Neuen Autorität»: tipiti ist Mitveranstalter des Kongresses in Feldkirch, Vorarlberg. Über hundert tipiti Mitarbeitende nehmen daran teil und setzen sich intensiv mit Marte Meo, Lösungsorientiertem Ansatz LOA, Neuer Autorität und Achtsamkeit als Methoden und Techniken im Alltag mit Kindern und Jugendlichen auseinander. Diese Methoden haben auch im tipiti Bildungsprogramm ihren festen Platz.

Pflegeelterntreffen «zwischen Appenzell und Ouagadougou»: tipiti veranstaltet ein Pflegeelterntreffen in der Sonderausstellung «Zwischen Appenzell und Ouagadougou» über das Engagement von Rolf Widmer im Hans Erni-Museum/Verkehrshaus Luzern. Sie wurde bis März 2019 verlängert. 30 Eltern und Kinder nehmen teil.

Veränderungen im tipiti Familienbereich: Ende 2019 schliessen wir die Fachstelle in Buchs und agieren wieder mit allen unseren Dienstleistungen im Kinderbereich von Wil aus. Es gibt wichtige Wechsel im Team.

223 Kinder und Jugendliche betreuen die 176 tipiti Mitarbeitenden derzeit. Der Gesamtaufwand liegt bei 9,7 Millionen Franken gleichauf mit dem Vorjahr, 90 Prozent davon finanziert durch die Öffentliche Hand.

2020

Die Corona-Krise prägt auch uns: Die Familiensysteme unserer Schüler•innen sind in dieser Phase (März 2020) des Fernunterrichts und des Homeschooling enorm gefordert. Alle tipiti Schulteams haben deshalb einen bunten Strauss an zusätzlichen Angeboten geschaffen und bieten diesen den Lernenden Tag für Tag an. Dank des zuvor eingeleiteten Digitalisierungsschubs gelang es uns, bereits in den ersten Wochen des Fernunterrichts ganz nahe an unseren Lernenden und ihren Eltern dran zu sein. Unsere Schulteams meisterten diese unerwartete Herausforderung glänzend.

Schule im BAZ bis Alter 18: Bis diesen März galt in allen Bundesasylzentren (BAZ) die Regel, dass junge Gesuchssteller·innen nur bis zum 16. Lebensjahr ein Recht auf den Besuch der Schule im Zentrum haben. Dank unserer Intervention und einem aufgeschlossenen Bildungsdepartement des Kantons St.Gallen können wir nun alle Gesuchsteller·innen, die noch nicht drei Oberstufenjahre absolviert haben und noch nicht 18 Jahre alt sind, in der tipiti Schule im BAZ unterrichten.

Lern- und Werkzentrum wird Zentrum für Begegnung und Bildung: Während der «europäischen Flüchtlingskrise» in den Jahren 2015/16 gelangten auch viele unbegleitete minderjähriger Flüchtlinge (MNA) in die Schweiz. tipiti übernahm 2016 die Betreuung und Förderung aller MNA im Kanton AR. 2017 eröffneten wir das Lern- und Werkzentrum (LWZ), führten dort die Integrationsschule und boten praktische Arbeitstrainings für alle Lernenden bis 25 Jahre an. Mehr als 120 Jugendliche besuchten seither das LWZ und danach eine Anschlusslösung. Seit 2017 gibt es weniger Zuweisungen, sodass wir den Betrieb des LWZ im Sommer 2020 schliessen.

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem LWZ führen wir dieses in ein kleineres Lern- und Begegnungszentrum inmitten der Stadt St.Gallen über. Hier finden Begegnung, Begleitung und Bildung statt, sollen sich unsere Jugendlichen und jungen Erwachsenen willkommen fühlen. Jene, die noch Schulunterricht, Unterstützung auf dem beruflichen Weg oder eine Tagesstruktur benötigen, werden hier betreut. In der Folge legen wir die Bereiche «Jugendliche» und «Lern- und Werkkzentrum» zusammen. Es entsteht der Bereich «Jugendliche und junge Erwachsene» am neuen Standort Wassergasse.