Was uns wichtig ist

Recht auf Bildung

«Jeder hat das Recht auf Bildung», formuliert die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. Das Recht auf Bildung ist zugleich in Art. 22 der Genfer Flüchtlingskonvention sowie in Art. 28 der 1989 verabschiedeten UN-Kinderrechtskonvention verankert. Obwohl die Schweiz diese Konventionen ratifizierte, erfahren viele junge Geflüchtete auch heute noch einen stark erschwerten und eingeschränkten Zugang zu Bildung und Ausbildung.

Die Tatsache, dass ein junger Mensch bei uns ist, sollte ihn dazu berechtigen, eine Ausbildung zu machen. Denn auch jungen Menschen, die in ihre Heimatländer zurückkehren, bietet die berufliche Förderung Perspektiven im Heimatland. Ausbildung ist die beste Form der Entwicklungshilfe.

Auch während der Ausbildung begegnen viele Jugendliche zahlreichen Schwierigkeiten. Eine zentrale Hürde ist der erfolgreiche Einstieg in unser schweizerisches Lern- und Ausbildungssystem. Hier setzt das tipiti Lern- und Werkzentrum an. Wir erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass eine Integration gelingt, indem wir den jungen Menschen Erfolgserlebnisse in Bezug auf die Arbeitskultur und die Ausbildungswege der Schweiz ermöglichen und sie nach Misserfolgen zum nächsten Versuch begleiten.

Was wir damit auch erreichen möchten:

  • Aktiver Beitrag zu erfolgreicher Integration: Wir möchten auch aufzeigen, dass die Kosten für eine berufliche Integration geringer sind als die Sozialkosten, die auf den Staat zukommen, wenn viele junge Menschen nicht integriert werden können. Das ist auch volkswirtschaftlich relevant.
  • Grössere Bereitschaft von Betrieben, Jugendlichen aus dieser Zielgruppe in ihrem Betrieb eine Chance zu geben, da diese Grundkompetenzen mitbringen und bei Schwierigkeiten begleitet werden.
  • Verstärkte Wertschätzung in der Öffentlichkeit bezüglich des Wissens und der verfügbaren Ressourcen pensionierter Fachkräfte in der Ausbildung junger Menschen.
  • Grössere Akzeptanz in der öffentlichen Wahrnehmung: Flüchtlinge als aktive Teilnehmer am Wirtschaftsleben.
  • Abbau von Begegnungsängsten: das Lern- und Werkzentrum ist auch ein Begegnungsort.

Das Besondere am Lern- und Werkzentrum

  • Unsere Grundfrage ist: Was braucht der oder die Jugendliche, um sich selbst entwickeln zu können und dies unabhängig von seinem Status in der Schweiz und nicht: Was hat der Jugendliche zugute?
  • Jeder Jugendliche hat eine individuelle Förderplanung, welche mit dem Lernenden regelmässig evaluiert und angepasst wird.
  • Besonders bei den MNA ist uns die Beziehungskontinuität in der persönlichen Betreuung und Begleitung ein wichtiges Anliegen.
  • Wir möchten, dass alle jungen Flüchtlinge vor dem Austritt in unserem Lern- und Werkzentrum eine Anschlusslösung haben und die Jugendlichen durch Mitarbeitende der Beratungsstelle für Flüchtlinge AR oder durch unser Betreuungsteam bei diesem wichtigen Übergang intensiv begleitet werden.
  • Wir nutzen die zivilgesellschaftlichen Ressourcen, indem wir pensionierte Handwerker als Ausbildnerinnen und Ausbildner anstellen und die Integration mit der Bevölkerung in der Schweiz und die Erweiterung des sozialen Netzes für die jungen Flüchtlinge fördern.

Unsere Grundhaltung

Lösungsorientiert
Der lösungsorientierte Ansatz zielt darauf ab, die Kompetenzen und Ressource der jungen Menschen zu entdecken. Der Fokus richtet sich auf das, was wir schon können und nicht auf das, was wir nicht können. Wir sind überzeugt, dass alle Menschen die nötigen Ressourcen haben, um ihr Leben erfolgreich zu gestalten. Es ist unsere Aufgabe, den Jugendlichen zu helfen, ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken und darauf aufzubauen.

Beziehungsorientiert
Menschliches Erleben und lernen braucht persönliche Beziehung. Wenn sich diese jungen Menschen mindestens vorübergehend bei uns integrieren sollen, brauchen die MNA Menschen, welche am persönlichen Wohlergehen echt interessiert sind, und eine Wohn- und Lernsituation, die getragen ist von Wohlwollen und tragfähigen Beziehungen. Insbesondere Kinder und Jugendliche, die ihr Bezugsnetz und ihre vertraute Umgebung verlassen mussten, brauchen zum Aufbau ihrer Persönlichkeit konstante und verlässliche Beziehungen sowie Vorbilder, an denen sie sich orientieren können.

Erfahrungsorientiert
Junge Flüchtlinge befinden sich in unserem Lande in einem neuen interkulturellen Umfeld, wo es darum geht, das neue Umfeld zu entdecken, seine Fähigkeiten weiterzuentwickeln und neue Interessen zu finden. Zu diesen Aufgaben gehören Sinneserfahrungen, Erlebnispädagogik, Service Learning (life skills) und schliesslich alle Erfahrung im Aufbau eines Beziehungsumfeldes und in der Berufsfindung.

Resilienz
Als Resilienz wird die Fähigkeit bezeichnet, sein inneres Gleichgewicht selber wieder zu finden und auch beizubehalten und in die Lage versetzt zu werden, aus Krisensituationen gestärkt hervorzugehen.

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