Zwischen Appenzell und Ouagadougou - Online Ausstellung

Preisträger Rolf Widmer

Rolf Widmer kam 1950 in Basel zur Welt. Sein Vater starb früh und Rolf verbrachte die ersten Lebensjahre bei seinen Grosseltern. Später wuchs er bei seiner Mutter und dem Stiefvater auf. Er studierte Ökonomie in Paris und Basel, dann Soziale Arbeit in Luzern.

An seiner ersten Arbeitsstelle wurde Rolf Widmer mit 26 Jahren die pädagogische und administrative Leitung der kinderpsychiatrischen Klinik in Ganterschwil SG mit siebzig Mitarbeitenden übertragen. Eine der wichtigen Aufgaben war, langfristige Perspektiven für Kinder zu entwickeln, die nicht in die eigene Familie zurückkehren konnten. Viele dieser Kinder benötigten ein neues verlässliches und stabiles Beziehungsumfeld und individuelle Förderung, was aufgrund der häufigen Wechsel der Mitarbeitenden in den Heimen nicht umsetzbar war.

Er suchte gleichgesinnte Fachleute, die mit ihm Alternativen zur Erziehung von Kindern und Jugendlichen in Heimen entwickeln wollten. So entstand 1976 der Verein Heilpäda­gogische Grossfamilien VHPG, heute Verein tipiti – wo Kinder und Jugendliche leben und lernen. Tipiti begleitete seither 600 Kinder und Jugendliche, immer mit dem Fokus auf Verlässlichkeit des Beziehungsumfeldes und auf individuelle Förderung für das Kind. Rolf Widmer leitet den Verein tipiti mit inzwischen 150 Mitarbeitenden bis heute im Nebenamt.

Rolf Widmer war im Auftrag von Entwicklungsorganisationen in verschiedenen Ländern tätig, bis er 1990 Leiter der Asyl-Organisation für den Kanton Zürich wurde. Diese betreute in den 90er-Jahren mit bis zu 700 Mitarbeitenden zeitweise fast 8'000 Schutz Suchende.

In den Jahren 2000 bis 2015 stand Rolf Widmer der Schweizer Stiftung des Internationalen Sozialdienstes SSI in Genf und Zürich vor, einem Netzwerk mit Sozialarbeitenden, Juristinnen und Mediatoren in 120 Ländern. Gleichzeitig koordinierte er die Schweizer Fachstelle für Adoption in Zürich und engagierte sich als Präsident der Sektion Schweiz der International Federation of Educative Communities FICE.

2015 übergab Rolf Widmer die operativen Aufgaben beim SSI, blieb aber Präsident. Er engagiert sich weiterhin für Kinder und Jugendliche, die nicht mit ihren leiblichen Eltern aufwachsen können, besonders auch für junge Flüchtlinge in der Schweiz und in Westafrika.

Rolf Widmer nahm 1985 drei Vollwaisenkinder aus dem Libanon als Pflegekinder bei sich auf und ist heute Grossvater deren sechs Kinder. Er lebt mit seiner Frau bei Genf, wenn er nicht irgendwo auf der Welt ein Projekt zugunsten junger Menschen vorantreibt.

Mehr Infos unter www.rolf-widmer.net

Interview

Wie er zu seinem Engagement gekommen ist, erzählt Rolf Widmer hier im Interview.